Remote-Arbeit, Cloud-Anwendungen und mehrere Standorte sind heute die Regel, nicht die Ausnahme. Klassische VPNs, die für eine andere Zeit entwickelt wurden, geraten dabei zunehmend an ihre Grenzen: Wer einmal authentifiziert ist, hat oft Zugang zum gesamten Netzwerk. Zero Trust Network Access (ZTNA) verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz: „Never trust, always verify". Jeder Zugriff wird einzeln geprüft, jedes Gerät bewertet, jede Verbindung auf eine konkret freigegebene Anwendung beschränkt. Das macht Lateral Movement erheblich schwerer und reduziert die Angriffsfläche im Ernstfall drastisch. Gleichzeitig macht das NIS-2-Umsetzungsgesetz granulare Zugriffskontrollen für betroffene Einrichtungen zur Pflicht. Dieser Artikel erklärt, was ZTNA von VPN unterscheidet, welche Vorteile es bietet und wie Organisationen den Umstieg gestalten können.
Key Takeaways: ZTNA vs. VPN
- VPN gewährt nach Authentifizierung typischerweise Zugang zum gesamten Netzwerk. ZTNA beschränkt den Zugriff auf einzelne, konkret freigegebene Anwendungen.
- ZTNA prüft jeden Zugriff kontinuierlich anhand von Nutzeridentität, Geräte-Compliance, Standort und Verhalten. Das reduziert das Risiko durch kompromittierte Zugangsdaten erheblich.
- Im Ransomware-Fall verhindert die Mikro-Segmentierung von ZTNA, dass sich Angreifer seitlich durch das Netzwerk bewegen, ein zentraler Vorteil gegenüber klassischen VPNs.
- ZTNA ersetzt keine Firewall und keine Endpoint Security, sondern ergänzt beide als zusätzliche Sicherheitsschicht für den Anwendungszugriff.
- Sophos ZTNA ist in das Sophos-Ökosystem integriert und wird zentral über Sophos Central verwaltet, zusammen mit Firewall, Endpoint und weiteren Komponenten.
- Für regulierte Organisationen unter NIS-2, KRITIS oder DORA ist ZTNA ein wichtiger Baustein, um Zugriffskontrollen und Risikomanagement nachweisbar umzusetzen.
ZTNA ist der Nachfolger klassischer VPNs
Zero Trust Network Access, kurz ZTNA, gilt als Zukunft des sicheren Remote-Zugriffs und löst klassische VPN-Lösungen zunehmend ab. Während VPNs in der Vergangenheit eine wichtige Rolle beim Schutz von Netzwerken spielten, stoßen sie in der heutigen dynamischen, cloud-basierten Welt an ihre Grenzen. Organisationen und ihr IT-Fachpersonal müssen sich mit den Herausforderungen moderner Netzwerksicherheit auseinandersetzen. ZTNA bietet hierfür eine robuste Lösung.
In diesem Artikel setzen wir uns mit dem Thema Zero Trust auseinander und erläutern die Vorteile von ZTNA gegenüber klassischen VPN-Lösungen. Außerdem erklären wir, warum ZTNA ein wichtiges Abwehrmittel gegen Ransomware ist und wo die Stärken der ZTNA-Lösung von Sophos im Vergleich zu anderen Herstellern liegen.
Was ist ZTNA?
Traditionelle VPNs waren lange Zeit die erste Wahl, um Remote-Mitarbeitenden sicheren Zugriff auf Unternehmensressourcen zu bieten. Allerdings basieren VPNs auf dem „implicit trust"-Modell, das den Zugriff auf das gesamte Netzwerk ermöglicht, sobald die Authentifizierung erfolgreich war. Dies stellt in heutigen, immer komplexer werdenden Netzwerken ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Genau hier setzt Zero Trust Network Access an.

ZTNA basiert auf dem Zero-Trust-Prinzip, bei dem nichts und niemandem ohne vorherige Prüfung vertraut wird. Jeder Benutzer, jedes Gerät und jede Anwendung wird überprüft und erhält nur die minimalen Zugriffsrechte, die für die jeweilige Aufgabe erforderlich sind. Statt einen Tunnel ins gesamte Netzwerk zu öffnen, stellt ZTNA gezielt Verbindungen zu einzelnen Anwendungen her. Das bietet signifikante Sicherheitsvorteile gegenüber herkömmlichen VPN-Lösungen.
Die Probleme traditioneller VPNs
Obwohl VPNs lange Zeit als Standard für den Remote-Zugriff galten, haben sie in modernen IT-Umgebungen erhebliche Schwächen offenbart. Diese Schwächen machen Netzwerke anfälliger für Angriffe und stellen IT-Abteilungen vor große Herausforderungen:
- Implizites Vertrauen: Nach erfolgreicher Anmeldung erhalten VPN-Benutzer oft unbegrenzten Zugriff auf das Netzwerk. Das erhöht das Risiko, da Bedrohungen, die sich innerhalb des Netzwerks bewegen, schwerer zu kontrollieren sind.
- Geräteanfälligkeit: VPNs prüfen in der Regel nicht den Zustand der Geräte, die sich mit dem Netzwerk verbinden. Dies kann ein Einfallstor für Malware sein, die sich durch ein kompromittiertes Gerät einschleicht.
- Übermäßige Komplexität: Die Einrichtung und Verwaltung von VPNs wird schnell zu einer logistischen Herausforderung, besonders bei der Verwaltung von Zertifikaten, IP-Adressen und Firewall-Regeln über mehrere Standorte hinweg.
- Anfälligkeit für Credential-basierte Angriffe: Werden VPN-Zugangsdaten durch Phishing oder Credential Stuffing kompromittiert, erhalten Angreifer oft sofort umfassenden Netzwerkzugriff.

Die Vorteile von ZTNA im Überblick
1. Mikro-Segmentierung und weniger Angriffsfläche: ZTNA schafft für jeden Benutzer, jedes Gerät und jede Anwendung einen eigenen, isolierten Perimeter im Netzwerk. Durch diese Mikro-Segmentierung wird die Ausbreitung von Bedrohungen minimiert, und jeder Zugriff wird auf eine genau definierte Ressource beschränkt.
2. Maximale Sicherheit durch kontinuierliche Authentifizierung: ZTNA basiert auf einer fortlaufenden Authentifizierung von Benutzern und Geräten. Selbst nach der ersten Anmeldung müssen alle Aktionen und Zugriffe stets überprüft werden. Das Risiko von Ransomware-Angriffen und anderen Bedrohungen wird durch diese fortlaufende Prüfung drastisch reduziert.
3. Standortunabhängiger Zugriff und Benutzerfreundlichkeit: ZTNA funktioniert unabhängig von Standort und Netzwerk. Mitarbeitende können von überall sicher auf Anwendungen und Daten zugreifen, ob im Büro, im Homeoffice oder unterwegs. Zudem erfolgt die Verbindung über sichere, verschlüsselte Tunnel, die für den Benutzer transparent bleiben.
4. Reduzierte Komplexität und Verwaltungskosten: Da ZTNA in der Cloud verwaltet wird, entfällt die Notwendigkeit für zusätzliche Hardware oder komplexe Netzwerkinfrastrukturen. Neue Benutzer und Geräte können schnell hinzugefügt werden, was besonders in dynamischen Umgebungen mit hoher Benutzerfluktuation wertvolle Zeit spart.
Warum ZTNA gerade jetzt so wichtig ist
ZTNA gewinnt an Bedeutung, da immer mehr Organisationen auf Remote-Arbeit und hybride Arbeitsmodelle setzen. Mit der Zunahme von Cloud-Anwendungen, mobilen Endpunkten und verteilten Standorten wird es immer schwieriger, Netzwerke auf herkömmliche Weise zu schützen. VPNs bieten hier oft nicht die nötige Flexibilität und Sicherheit, da sie ursprünglich für andere Anforderungen entwickelt wurden.
Zero Trust hingegen wurde speziell entwickelt, um den Anforderungen der modernen, dynamischen Arbeitswelt gerecht zu werden. Es bietet genau den Schutz, den Organisationen benötigen, ohne die Agilität und Flexibilität zu beeinträchtigen, die Mitarbeitende zur optimalen Leistungserbringung erwarten. Hinzu kommen regulatorische Anforderungen: Das NIS-2-Umsetzungsgesetz verlangt Zugriffskontrollen, Risikomanagement und Netzwerksegmentierung als Pflichtbestandteile. Auch DORA, KRITIS und branchenspezifische Vorgaben drängen Organisationen in Richtung Zero-Trust-Architekturen.

ZTNA und Ransomware: Ein wirksamer Schutz
Ransomware ist eine der gefährlichsten Formen von Malware. Sie verschlüsselt Dateien und blockiert den Zugriff, bis ein Lösegeld gezahlt wird. In klassischen VPN-Setups besteht ein großes Risiko, dass Angreifer nach der Kompromittierung von Zugangsdaten lateral durch das Netzwerk navigieren und sich auf ungeschützte Bereiche ausbreiten können. Damit lassen sich Ransomware-Komponenten im gesamten Netzwerk verteilen und wichtige Daten und Systeme verschlüsseln.
Mit Zero Trust Network Access wird dieses Risiko deutlich reduziert. ZTNA basiert auf dem Prinzip, dass niemandem innerhalb des Netzwerks von vornherein vertraut wird. Durch die Mikro-Segmentierung des Netzwerks und strikte Zugriffsbeschränkungen erhalten Benutzer nur auf spezifische, für sie notwendige Ressourcen Zugriff. Diese strenge Segmentierung erschwert es Angreifern, sich seitwärts im Netzwerk zu bewegen und ihre Ransomware auf weitere Bereiche zu übertragen.
Selbst wenn ein Angreifer Zugangsdaten kompromittiert, bleibt der Schaden in vielen Fällen auf einen minimalen Bereich beschränkt, da ZTNA kontinuierlich überprüft, welche Benutzer und Geräte auf welche Ressourcen zugreifen dürfen. Durch diese strenge Zugriffskontrolle und fortlaufende Authentifizierung kann ZTNA Ransomware-Angriffe frühzeitig eindämmen, bevor sie sich großflächig ausbreiten. In Kombination mit Sophos MDR oder Sophos XDR lassen sich verdächtige Aktivitäten zusätzlich rund um die Uhr erkennen und stoppen.
Die Rolle von Zero Trust in der Cybersicherheit von morgen
ZTNA ist ein wesentlicher Bestandteil des Secure Access Service Edge (SASE)-Frameworks, das Netzwerk- und Cloud-Sicherheitsfunktionen kombiniert. SASE bringt SD-WAN, ZTNA, Secure Web Gateway, Cloud Access Security Broker und weitere Sicherheitsdienste in einer konvergenten Architektur zusammen. Durch diese Integration wird ZTNA zu einem Schlüsselelement in der umfassenden Sicherheitsstrategie von Unternehmen, Behörden und öffentlichen Einrichtungen.
Auch bei der Umsetzung von NIS-2 kann Zero Trust im Hinblick auf das Zugriffsmanagement eine entscheidende Rolle spielen. § 30 BSIG fordert geeignete technische Maßnahmen, dazu gehören explizit auch Zugriffskontrollen und Konzepte zur Identitäts- und Zugriffsverwaltung.
Sophos ZTNA im Vergleich
Sophos ZTNA hebt sich im Markt der ZTNA-Lösungen durch seine nahtlose Integration in das Cybersecurity-Ökosystem von Sophos ab. Im Vergleich zu anderen Anbietern wie Cisco, Palo Alto oder Zscaler, die ebenfalls Zero-Trust-Lösungen anbieten, punktet Sophos mit seiner umfassenden Verwaltung über Sophos Central. Hierdurch wird eine einfache und effiziente Steuerung von ZTNA in Verbindung mit anderen Sicherheitslösungen wie Endpoint Protection, Firewalls und E-Mail-Sicherheit ermöglicht.
Was macht Sophos ZTNA besser?
- Nahtlose Integration: Sophos ZTNA fügt sich passgenau in die bestehende Sophos-Umgebung ein. Das ermöglicht eine konsistente und koordinierte Sicherheitsstrategie.
- Synchronized Security: Zero Trust von Sophos nutzt Synchronized Security, was Firewalls und Endpoint Security ermöglicht, Bedrohungen in Echtzeit zu erkennen und automatisch zu handeln.
- Zentrale Verwaltung über Sophos Central: Die gesamte Sicherheitsumgebung kann zentral verwaltet und überwacht werden, was die Effizienz und Reaktionszeit bei Sicherheitsvorfällen erheblich verbessert.
- Bestandteil von Sophos Workspace Protection: ZTNA ist Teil des Workspace Protection-Bundles, das ZTNA, Device Encryption und weitere Schutzfunktionen für den modernen Arbeitsplatz in einer Lizenz vereint.

Sophos ZTNA: Deployment-Optionen
Sophos ZTNA lässt sich in zwei Modi betreiben, die sich je nach Infrastruktur und Sicherheitsanforderungen eignen. Beide werden zentral über Sophos Central verwaltet und sind untereinander migrierbar.
ZTNA über On-Premises Gateway betreiben
Das ZTNA-Gateway wird im eigenen Rechenzentrum betrieben. Die Organisation verwaltet die Gateways selbst und stellt Firewall-Ports sowie NAT-Regeln bereit. Dieser Modus eignet sich für Umgebungen mit strikten Anforderungen an Datenhoheit oder regulatorische Vorgaben. Für Organisationen mit einer Sophos XGS Firewall ab Version 19.5 MR3 kann das Gateway auch direkt auf der Firewall betrieben werden.
Sophos Cloud Gateway für ZTNA nutzen
Die Verbindung läuft über eine von Sophos verwaltete Cloud-Data-Plane mit einer Verfügbarkeit von 99,999 Prozent. Die eigene Infrastruktur ist dabei nicht direkt im Internet exponiert, was die Angriffsfläche reduziert. Es müssen keine Firewall-Ports geöffnet oder NAT-Regeln erstellt werden. Sophos betreibt Points of Presence in Europa (Irland, Frankfurt), den USA (Ohio, Oregon) und Asien-Pazifik (Mumbai, Sydney).
Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Einrichtung beider Modi haben wir im Artikel Sophos ZTNA Einrichtung zusammengestellt.
Sophos bietet regelmäßig Aktionen für Bestands- und Neukunden an, darunter kostenlose Test- und Einstiegslizenzen für ZTNA Secure Access. Welche Konditionen aktuell verfügbar sind, klären wir gerne im direkten Gespräch.

Der richtige Partner für den Umstieg von VPN auf ZTNA
Wir von Aphos und Firewalls24.de bieten Ihnen umfassende Unterstützung beim Um- und Einstieg auf moderne Sicherheitslösungen wie Sophos ZTNA oder die Sophos Workspace Protection. Mit unserer Expertise helfen wir Netzwerke zukunftssicher zu gestalten und die Herausforderungen der modernen Cybersecurity zu meistern. Von der Auswahl der richtigen Lösungen bis zur Implementierung und zum fortlaufenden Support, stehen wir Ihnen zur Seite.
Wer den eigenen Schutzbedarf strukturiert bewerten möchte, kann unseren kostenlosen Endpoint & MDR Advisor nutzen oder direkt über unsere Kontaktseite ein Gespräch vereinbaren.
FAQ: ZTNA und VPN arrow_drop_down
FAQ: ZTNA und VPN
Was ist der Unterschied zwischen ZTNA und VPN?
Ein VPN gewährt nach erfolgreicher Authentifizierung in der Regel Zugang zum gesamten Netzwerk. ZTNA verfolgt das Prinzip „Never trust, always verify" und gewährt Zugriff nur auf die konkret freigegebene Anwendung, nicht auf das Netzwerk dahinter. Das reduziert die Angriffsfläche erheblich, da sich kompromittierte Zugangsdaten nicht für Lateral Movement nutzen lassen.
Ersetzt ZTNA eine Firewall?
Nein. ZTNA regelt den Anwendungszugriff, eine Firewall schützt das Netzwerk auf Perimeter-Ebene mit Funktionen wie IPS, Deep Packet Inspection und Webfiltering. Beide Technologien ergänzen sich. In einer modernen Architektur arbeiten ZTNA, Firewall und Endpoint Security zusammen.
Ist ZTNA für NIS-2 relevant?
Das NIS-2-Umsetzungsgesetz fordert unter anderem Zugriffskontrollen und Risikomanagement. ZTNA unterstützt beide Anforderungen, indem es den Zugriff auf Anwendungen identitätsbasiert steuert und den Netzwerkzugang granular einschränkt. In Kombination mit MDR für die 24/7-Überwachung entsteht ein umfassender Compliance-Ansatz.
Wie hängen ZTNA und SASE zusammen?
ZTNA ist ein zentraler Bestandteil von SASE (Secure Access Service Edge). Während ZTNA den Anwendungszugriff steuert, kombiniert SASE zusätzlich SD-WAN, Secure Web Gateway und Cloud Access Security Broker in einer konvergenten Architektur.
Kann ich VPN und ZTNA parallel betreiben?
Ja, das ist in der Praxis ein gängiges Szenario, insbesondere während einer Migrationsphase. VPN kann weiterhin für Legacy-Anwendungen genutzt werden, während neue oder besonders schützenswerte Anwendungen über ZTNA bereitgestellt werden. Schrittweise lässt sich das VPN dann durch ZTNA ablösen.
Schützt ZTNA vor Ransomware?
ZTNA reduziert das Ransomware-Risiko erheblich, weil kompromittierte Zugangsdaten Angreifern nur den Zugriff auf eine konkret freigegebene Anwendung verschaffen, nicht auf das gesamte Netzwerk. Das verhindert in vielen Fällen die laterale Ausbreitung, die für die meisten Ransomware-Vorfälle entscheidend ist. ZTNA ist allerdings kein vollständiger Ersatz für Endpoint Protection und sollte als Teil einer mehrschichtigen Sicherheitsstrategie verstanden werden.
Brauche ich eine Sophos Firewall für Sophos ZTNA?
Nein. Sophos ZTNA bietet zwei Deployment-Modi: ein On-Premises-Gateway im eigenen Rechenzentrum oder ein Sophos Cloud Gateway, bei dem die Infrastruktur nicht direkt im Internet exponiert wird. Beide funktionieren ohne Sophos Firewall. Für Organisationen mit einer Sophos XGS Firewall ab v19.5 MR3 besteht zusätzlich die Möglichkeit, das On-Premises-Gateway direkt auf der Firewall zu betreiben.
